Calliope kommt – kommt damit auch Informatik?

Es bewegt sich etwas und endlich tut es das auch in Deutschland. Nachdem in Großbritannien inzwischen flächendeckend 7.-klässler mit dem Mikrocontroller microbit ausgestattet werden, mit Hilfe dessen sie auf interessante Weise an die Informatik herangeführt werden, gibt es nun ein vergleichbares Produkt in Deutschland, wie die Zeit berichtet: @holadiho und Co. haben mit dem Calliope ein attraktives kleines Device entwickelt, das sie mit 3.-klässlern nutzen wollen. Das ist m. E. auch genau die richtige Altersgruppe für den Einstieg.

Schön ist, dass das Gerät gut genug ausgestattet ist, dass man auch in höheren Jahrgängen attraktive Projekte damit entwickeln kann.
Es wird spannend, wie breit sich das Projekt in Schulen verankern kann. Schon im Saarland, wo Calliope aktuell getestet wird, wird es offenbar keine Notwendigkeit geben, dass irgendeine Schule aus dem Quark kommt und Lehrer/-innen zu den Fortbildungen schickt. Von anderen Bundesländern ist bisher nicht die Rede. Daneben ist wünschenswert, dass sich ARD und ZDF dem Vorbild der BBC anschließen und das Projekt national unterstützen.
Ich bin jedenfalls froh über diese großartige Initiative und ihr kleines Device und wünsche ihnen den Erfolg, den sie verdienen.

Dagstuhl-Erklärung: Bildung in der digitalen vernetzten Welt

Unter dem Schlagwort Digitale Bildung lässt sich vieles verstehen. Im Rahmen eines Seminars auf Schloss Dagstuhl, an dem ich teilnehmen durfte, ist die folgende Erklärung entstanden. Ich finde sie sehr gelungen, auch wenn die Hinweise für die konkrete Umsetzung noch nicht fertig ausformuliert sind.

https://www.gi.de/aktuelles/meldungen/detailansicht/article/dagstuhl-erklaerung-bildung-in-der-digitalen-vernetzten-welt.html

Dagstuhl-Erklärung: Bildung in der digitalen vernetzten Welt als PDF

Das Auto in der mobilen Gesellschaft – und die Analogie zu Informatik und Medienerziehung

“Alle sollten in einer mobilen Gesellschaft ein Auto fahren können. Aber nicht alle müssen auch wissen, wie es im Detail funktioniert oder gebaut wird.”

wird der Sprecher der Hamburger Bildungsbehörde, Peter Albrecht, in einem Kommentar von Jens-Meyer-Wellmann zitiert. Im Rahmen dieser Diskussion habe ich den folgenden Text verfasst, in dem die gewählte Analogie genauer untersucht wird. Eine leicht überarbeitete Fassung veröffentliche ich nun hier.

Die obige Aussage verwundert zunächst an sich, sind doch wesentliche Anteile der Funktionsweise eines Autos fachliche Inhalte des Hamburger Rahmenplans Naturwissenschaften und Technik:

  • Verbrennungs- und Elektro-Motor (S. 52), Fahrzeugantriebe (S. 57)
  • Heizwerts eines Brennstoffs (S. 52)
  • Getriebe (S. 36)
  • Vergleich verschiedener Energiewandler bzgl. ihres Wirkungsgrades (S. 52)
  • Treibhauseffekt, Klimawandel (S. 52)
  • Erdöldestillation, Batterien, Akkumulatoren, Brennstoffzellen (S. 47)

Offenbar ist die Behörde also durchaus der Meinung, dass Detailkenntnisse über die Funktionsweise eines Autos allgemeinbildend sind. Auch wenn das Schweißen bspw. der Berufsbildung vorbehalten bleibt, ist doch ein Einblick in die Konstruktion eines Fahrzeugs verpflichtend vorgesehen: Nach den Mindestanforderungen schon der Klasse 6 sind:

  • wesentliche Merkmale von Fahrzeugen zu benennen (S. 22),
  • Funktionsmodelle zu bauen bzw. zu konstruieren (S. 22),
  • Fahrzeugeigenschaften zu bewerten (S. 23).

Das angesprochene Fahren eines Autos ist hingegen nicht Teil des Pflichtkanons der Hamburger Schulen. In der Querschnittsaufgabe Verkehrserziehung ist das Ziel, dass die Schülerinnen und Schüler sich im Straßenverkehr zunehmend selbstständig, sicher und mitverantwortlich verhalten lernen (Grundschule) und sich (Stadtteilschule) mit den Anforderungen des heutigen Verkehrs, seinen Auswirkungen auf die Menschen und die Umwelt sowie mit der Entwicklung einer zukunftsfähigen Mobilität auseinandersetzen. Die Bewertung der Auswirkungen auf die Umwelt setzt dabei maßgeblich voraus, dass die Schülerinnen und Schüler im naturwissenschaftlichen Fachunterricht Einblick in die Funktionsweise von Autos gewonnen haben.

Übertragen auf die Gebiete Medienerziehung und Informatik lässt sich Folgendes feststellen:

Aufgabe der Schule ist es einerseits, Bedienkompetenz für Medien zu schulen. Dazu gehören heute explizit auch digitale Medien, etwa das WWW, digitale Fotografie oder digitale Audiobearbeitung. Damit untrennbar verbunden sind die Bereiche der persönlichen Sicherheit (Datenschutz) und der Kenntnis von Umgangsregeln (Netiquette, digitales Mobbing). Wie im Straßenverkehr die Verkehrserziehung ist hier die Medienerziehung gefordert, diese wichtigen Teile des täglichen Lebens fundiert zu begleiten.

Andererseits ist es erforderlich, dass die Schule sowohl die Grundlagen vernetzter Informatiksysteme vermittelt als auch eine Problemlösekompetenz, die algorithmisches Denken einschließt. So wie die Schülerinnen und Schüler Fahrzeuge konstruieren, Antriebe untersuchen und Energieumwandlungen beschreiben, müssen sie auch in der Lage sein, gesteuerte Systeme zu konzipieren und umzusetzen und Erkenntnisse aus der Analyse von Daten gewinnen.

Weiterreichende gesellschaftliche Folgen der Digitalisierung sind nur auf der Grundlage technischer Kenntnisse zu beurteilen. Nur mit dem Wissen um Energieträger, Motoren, chemische Prozesse bei der Verbrennung und globale Erwärmung lässt sich die Problematik des heutigen Verkehrs für die Umwelt einschätzen. Nur mit einem Verständnis für Netzwerke und Verschlüsselungsalgorithmen lässt sich bspw. bewerten, ob der Vorschlag, in Zukunft zu Hause am PC zu wählen (vgl. z. B. die Diskussion in Schleswig-Holstein), geeignet ist, die Demokratie zu befördern. Und nur mit einem Verständnis von Datenschutz und Auswertungsmöglichkeiten lässt sich beurteilen, ob das selbstfahrende Auto nur eine angenehme Erleichterung ist oder ob es das Netz der Überwachung nur noch engmaschiger macht.

 

Hallo Welt!

Willkommen zur deutschen Version von WordPress. Dies ist der erste Artikel. Du kannst ihn bearbeiten oder löschen. Um Spam zu vermeiden, geh doch gleich mal in den Pluginbereich und aktivier die entsprechenden Plugins. So, und nun genug geschwafelt – jetzt nichts wie ran ans Bloggen!

Zitieren will gelernt sein…

Zur Illustrierung von Zitatregeln lässt sich schön der Artikel unten von Prof. Beat Döbeli verwenden. Er beschreibt wie eine in der SZ falsch zitierte Aussage von ihm ihren Weg durch die Presse macht – und dabei immer größer wird!
http://wiki.doebe.li/bin/view/Beat/VomEigenlebenEinesZitats

Auch schön und ein gutes Beispiel für die Nützlichkeit von Statistik:

Study: 80% of authors cite articles they probably didn’t read

Weltwunder auf der Couch

Weltwunder kann man nicht alle auf einmal in den Sommerferien abklappern. Wer noch welche übrig hat, kann sich nun einen Vorgeschmack im Web gönnen. Inzwischen hat Google auch viele Orte, die mit den StreetView-Autos nicht zu erreichen sind, bildlich erfasst: Scott’s Hütte in der Antarktis [*] ist ebenso wie Versailles, der Toshodai-ji Tempel in Nara, Pompei oder Jerusalem im World Wonders Project vertreten, das als ein Teil des Cultural Institute eine weitere beeindruckende Sammlung digital erlebbarer Kulturgüter darstellt. Zu den jeweiligen Orten gibt es weitere Informationen, Fotos, Videos und Verweise auf weitere Quellen sowie zum Teil vollständige Stundenentwürfe (auf englisch).

 

[*] Hier kann man sogar „hineingehen“. Das sieht man nicht alle Tage, könnte man aber…

Tschüß, Schulbuch!? – Update

„Die Tage des Schulbuchs sind gezählt.“ habe ich neulich behauptet und gemeint: „Wann die deutschen Lehrbuchverlage aufwachen, bleibt abzuwarten.“

Nun haben die Schulbuchverlage ja alle überrascht mit der Ankündigung, auf der didacta die neuen digitalen Schulbücher vorstellen zu wollen, die ab Start des kommenden Schuljahrs verfügbar sein sollen. [1,2]

Tatsächlich handelt es sich aber eher um eine Absichtserklärung… Ich habe die digitalen Schulbücher gestern auf der Didacta live erlebt – da hat man noch viel Arbeit vor sich, wenn das bis zum Herbst fertig sein soll. So taugt es fast nichts.

Zu sehen war ein auf iMacs unter Windows präsentierter Flash-basierter PDF-Viewer. Na, herzlichen Glückwunsch.
Man kann nicht sinnvoll markieren, weil der Stift den Text im PDF nicht erkennt. Unterstreichungen sind krickelig oder man muss mühsam eine Linie einzeichnen. Man kann nicht einmal im Inhaltsverzeichnis auf den Kapitelnamen klicken um auf die entsprechende Seite zu kommen. Suchfunktion? Fehlanzeige. Haptisches Blättern? Videos? Sowas gibt’s nur in iBooks 2 auf dem iPad.

Ich möchte nicht wissen, wie die Akkulaufzeit sinkt, wenn man die ganze Zeit den Flashplayer laufen hat, nur weil man sein Schulbuch braucht… Immerhin wird es für das iPad wohl eine Alternativimplementierung geben müssen, denn mit Flash wird man da ja nichts.

Ich höre jetzt lieber auf mit dem Meckern… Wir können jedenfalls hoffen, dass bis zum Start der Laptopklassen im Gymnasium in gut zwei Jahren eine „richtige“ Lösung gefunden ist. Immerhin bringt das System eine Gewichtsreduktion, wenn man das Buch nicht mehr neben den Laptop in den Schulranzen stecken muss. Und es werden endlich einmal alle Plattformen von Anfang an bedacht – Windows, Mac OS, iOS und Android werden zumindest explizit genannt.

[1] die Ankündigung
[2] ein Interview mit Christoph Bornhorn, Geschäftsführer der VdS Service GmbH

Tschüß, Schulbuch!

Die Tage des Schulbuchs sind gezählt. Die Zahl mag noch relativ groß sein, aber mit der Ankündigung der speziell für das iPad optimierten Schulbücher und der schicken Software zum Erstellen dieser interaktiven Lehrwerke heute ist klar, dass die Möglichkeiten, die die digitalen Geräte bieten, jetzt auch genutzt werden. Endlich sind die „Lernprogramme“ Schnee von gestern. [1, 2]

Wann die deutschen Lehrbuchverlage aufwachen, bleibt abzuwarten. Klett hat jedenfalls gerade ein analoges Arbeitsheft herausgebracht, das einem soziale Netzwerke nahebringen soll. Vom Ansatz her schon absurd, waren die Autoren nicht einmal zu einer anständigen Webrecherche fähig und behaupten daher, Tim Berners-Lee, der Erfinder des WWW, habe gleich das ganze Internet erfunden und das erst 1991. [3]

Spannende Zeiten…

[1] die Ankündigung als Videostream

[2] eine lesenswerte Zusammenfassung und Einschätzung von Felix Schaumburg

[3] Beat Döbeli stellt Klett an den Pranger